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„Sam, sieh dir das mal an!“ Dean kniete vor einer alten Kommode und war in eine Akte vertieft, die er wohl aus dieser gefischt hatte. Sam ging neben ihm in die Hocke. Ein Foto lag ganz oben. Es war verblichen, zerknittert und Sepiafarben. Es war ein Familienfoto, auf dem locker ein Dutzend Leute zu sehen war. „Sieht ganz so aus als hätten wir es hier mit Formwandlern zu tun.“ „Wie kommst du darauf?“, Dean sah seinen Bruder irritiert an. „Wirklich? Streng mal deinen Kopf ein bisschen an. Von wann mag dieses Bild sein, 1830? Vielleicht sogar früher. Und die Kleine von gestern kann ja wohl kaum fast 200 Jahre lang wie Mitte zwanzig aussehen. Dean nickte wissend. „Kann schon sein. Aber wieso gerade sie? Denkst du, da besteht irgendeine Verbindung?“, fragte er dann. Sam hob die Schultern. „Keine Ahnung. Ist das wichtig?“ „Ich finde, das geht euch einen Dreck an. Oder noch weniger.“, schallte eine Stimme durch den Raum. Sam und Dean fuhren herum und sahen das Mädchen von dem Foto vor sich, flankiert von zwei Männern, welche ebenfalls aussahen wie zwei der Männer auf dem Foto. „Nette Verkleidung.“, spottete Dean. Sam sah ihn warnend an und deutete mit dem Kopf in Richtung ihrer Tasche, welche näher bei den Formwandlern als bei ihnen lag. „Das Mädchen bleckte die Zähne. „Die Winchesters. Nette Überraschung. Und auch noch beide auf einmal. Das gibt ja ein regelrechtes Festessen!“ „Wieso kann nicht ein einziges Mal alles glatt laufen?!“, fluchte Sam. „Ich denke, wir sind nicht sehr lecker. Ach ja, wir denken außerdem gar nicht daran gegessen zu werden, das hätte ich ja fast vergessen!“, Dean provozierte die Formwandler offensichtlich. Sam sah ihn an und rang mit den Händen. Was soll das?, schien er sagen zu wollen. Dean machte eine beschwichtigende Bewegung mit den Händen. „Na ihr beide versteht euch ja wunderbar. Ihr solltet das „ohne Worte“ Kommunizieren noch einmal üben. Seht her.“, sagte das Mädchen. Sie nickte mit dem Kopf und die beiden Männer gingen auf Sam und Dean zu. „Und jetzt?“, fragte Sam. „Äh, improvisieren, schätze ich.“, antwortete Dean. Sam verdrehte die Augen und trat dem Typ vor sich in den Magen. Dean schlug dem Anderen seinen Ellenbogen ins Gesicht. Beide rannten Richtung Tasche, da trat ihnen das Mädchen in den Weg. „Ah ah ah. Nichts da.“, sagte sie und schleuderte beide von sich, jeden an die Wand in ihrem Rücken. Sie rappelten sich schwerfällig wieder auf, aber die beiden männlichen Formwandler waren schon wieder bei ihnen. Dean duckte sich unter einem Schlag weg, den nächsten jedoch, kassierte er voll. „Warum denn immer ins Gesicht?!“, rief er wütend und schlug seinem Angreifer ebenfalls mehrmals ins Gesicht. Dieser taumelte ein Stück zurück. Sam unterdessen hatte ein Messer zu fassen bekommen und versuchte, relativ erfolglos, es nicht selbst abzubekommen. Er kickte dem Monster sein Knie in den Magen und schubste ihn von sich. Dann warf er sich auf den Typ und drückte ihm das Messer an die Kehle, da wurde er von dem Mädchen an die Wand zurückgeworfen. Er verlor das Bewusstsein. Dean sah aus den Augenwinkeln, wie das Mädchen sich das Messer griff und auf Sam zuging. „Hey Miststück! Sieh mal hier!“, rief er so laut er konnte. Sam regte sich noch immer nicht, aber das Mädchen wandte sich um. Dean griff in seine Innenjacke und zog sein eigenes Messer. Dieses versenkte er in dem Monster vor sich. „Nein!“, schrie das Mädchen, „Wenn du meinen Bruder tötest, dann wird deiner auch sterben!“ Sie rannte auf Sam zu und hob den Arm mit dem Messer. „Nein! Sammy!“, rief Dean und taumelte über den leblosen Körper des Formwandlers hinweg. Sams Angreifer jedoch, stellte sich ihm in den Weg und warf ihn in eine Ecke, viel zu weit weg von Sam. Plötzlich keuchte das Mädchen und ging zu Boden. Dean blickte sich verwirrt um. Hinter dem Formwandler war eine Blondine aufgetaucht und hatte sie erstochen. Sie rang ein paar Sekunden lang mit dem verbliebenen Formwandler, doch auch er fiel schließlich in sich zusammen. Dean rappelte sich auf, nahm sein Messer und lief zu Sam herüber. Die Blondine ging auf die beiden zu. Sam öffnete die Augen, Dean stieß das Mädchen an die Wand und presste ihr sein Messer an die Kehle. Sam stand schwankend auf und sah Dean an. „Dean was tust du da?!“, fragte er und musterte das Mädchen, welches Dean an die Wand presste. Es war nicht das Mädchen von dem Foto. Ihr Haar war goldblond und sie trug einen hohen Pferdeschwanz, welcher ihr bis knapp über die Schulter reichte. Ihre Augen waren braun mit einem grünen Schimmer darin und sie schien etwa im selben Alter wie er und sein Bruder zu sein, vielleicht jünger. Und sie hatte noch kein einziges Mal das Gesicht verzogen. „Die Letzte die dir das Leben gerettet hat, war ein Dämon. Sie hat dich benutzt um das letzte Siegel zu brechen und Luzifer auf die Menschheit loszulassen. Erinnerst du dich an Ruby?“ Dean zog eine kleine Flasche aus seiner Jacke und schüttete sie dem Mädchen ins Gesicht. Diese wollte etwas sagen, Dean unterbrach sie aber sofort wieder. Er griff ihren Arm und schnitt hinein. Sie verzog nicht einmal das Gesicht. Sam sah Dean verwirrt an und kramte ein Tuch hervor, welches er der Blondine reichte. „Danke.“ Dean ging ein paar Schritte zurück, behielt aber das Messer in der Hand. „Wer bist du und was machst du hier?“, fragte er. Sie seufzte. „Ich tue jetzt mal so, als müsse ich mich rechtfertigen. Könntet ihr mir aber vielleicht erst einmal mein Messer wiedergeben?“, fragte sie. Sam sah sich auf dem Boden um, entdeckte ein fremdes Messer und reichte es der Kleinen. Sie wischte die Klinge an ihrem Ärmel sauber und steckte es weg. Dean sah sie noch immer zweifelnd an, aber er schien sich wieder etwas beruhigt zu haben. „Ich heiße Allyson und bin eine Jägerin. Eine Bekannte von Bobby.“ Dean ließ das Messer sinken. „Bobby hat nie eine Allyson erwähnt.“ „Nie? Dieser verdammte Mistkerl.“ Sam begann die Waffen einzusammeln, welche im ganzen Raum verteilt lagen. Dean steckte sein Messer weg. „Was?“, fragte er. „Ich bin Sam. Das ist mein Bruder Dean.“ „Ich weiß.“, sagte Allyson bloß. „Ah. Okay. Wie kommst du zum Jagen, Allyson?“, Sam warf Dean die Tasche mit den restlichen Waffen zu. „Mein Vater hat mich angelernt.“ „Also Familiengeschäft. Welcher Vater lehrt seine Tochter zu jagen?“, Dean klang verärgert. „Er wollte nicht, dass ich jage. Ich hab’s trotzdem getan. Und jetzt...kann er es mir sowieso nicht mehr verbieten. Er ist tot.“ Sam und Dean fuhren bei ihrem eisigen Tonfall kurz zusammen. Sie verließen das Haus, Allyson ging voraus. „Ist wohl so ‚ne Jägersache, man beginnt zu Jagen weil etwas in der Familie vorfällt, dann stirbt die verbliebene Bezugsperson, dann jagt das Überbleibsel halt. Bei euch war es ja auch nicht anders.“, erzählte sie. „Woher weißt du das?“, Dean sah sie argwöhnisch an. „Ich sagte ja, ich kenne –kannte- Bobby. Er hat andauernd von euch geredet. Wundert mich, dass er mich euch gegenüber nie erwähnt hat. Vielleicht war ich ihm peinlich, der Mann hatte ja seine Eigenarten...“ „Wieso hätte er dich erwähnen sollen? Wer genau bist du, Allyson?“, fragte Sam. „Sagen wir so... Ich heiße Allyson Singer. Ich bin Bobbys Tochter.“

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